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Umweltschutz, Kann China Das?

In den letzten Jahren nimmt Chinas Wirtschaftswachstum geradezu astronomische Werte an, doch das Land zahlt dafür einen hohen Preis. Umweltverschmutzung ist ein großes Thema und es wird sicher nicht das letzte Mal sein, dass ich darüber schreibe, denn dafür ist das Ganze zu komplex, zu wichtig und die Fakten, wovon es zuhauf gibt, zu erschütternd.

Die Luft in chinesischen Städten ist stark verpestet, die Böden um sogenannte „Industrieparks“ werden zunehmend unfruchtbar, die meisten Flüsse sind verschmutzt und es herrscht ein bedrohlicher Trinkwassermangel in vielen Gebieten des Landes. Riesenprojekte wie der Drei-Schluchten-Staudamm greifen brutal in die Natur ein. Umweltkatastrophen nehmen von Jahr zu Jahr zu, große Überschwemmungen und Taifune werden zum Alltag des chinesischen Sommers. Als ich das letzte Mal über Peking flog und aus dem Fenster schaute, sah ich endlich mit eigenen Augen, was Smog wirklich bedeutet. Die ganze Stadt war wie mit einem riesigen schwarzen Schleier bedeckt, wodurch man kaum etwas erkennen konnte außer verschwommene Umrisse von Häuserblöcken und breiten Straßen. Die Luftverschmutzung plötzlich so deutlich vor Augen geführt zu bekommen machte mir erschreckend klar, wie schlimm das Ausmaß der Dinge ist.

Laut des in diesem Jahr veröffentlichten Berichts „Environmental Protection in China (1996 – 2005)“ kostet die Umweltverschmutzung China jährlich 200 Milliarden Dollar. Es kann auch durchaus mehr sein und wenn nichts dagegen unternommen wird, wird es auch sicher mehr. Die Umweltverschmutzung schadet nicht nur der Natur selbst, sondern der Gesundheit der Menschen und damit verknüpft auch der Wirtschaft. Die momentane wirtschaftliche Strategie ist also zu kurzsichtig. Denn wenn die Umwelt weiterhin rücksichtslos ausgebeutet und zerstört wird, wird das auf lange Sicht zu derartigen schlimmen Bedingungen führen, dass die Wirtschaft dadurch zusammenbricht und das Land untergeht (Hierbei kann sich jeder seine eigenen Schreckensszenarien ausmalen, doch ich denke, jeder weiß, was ich damit meine.). Wenn der Umweltschutz jedoch gelingt, werden die Menschen zufriedener, die Qualität der Leistungen höher und der Wirtschaftsboom wird nicht gedämpft, sondern eher noch angetrieben. Dadurch sei also jedem gedient.

Die meisten Leser werden jetzt denken: „Unnützes Geschwätz, so viel weiß doch jeder! Klingt alles logisch, wird bloß nicht gemacht!“ Doch so simpel ist die Sache leider nicht. Beim Thema Umweltschutz stehen sich unterschiedliche Interessengruppen gegenüber. Die zwei Extremen sind auf der einen Seite diejenigen mit der eisernen Überzeugung, dass die Natur unberührt bleiben und jeder Eingriff in die Umwelt durch die Menschen verboten sein muss. Dieser Ideologie gebührt zwar Respekt, doch letztendlich ist diese Denkweise viel zu naiv. Wenn Einzelne nach solchen Prinzipien leben wollen, so soll es sein. Doch für die moderne globale Welt kann dies sicher nicht die Lösung sein. Auf der anderen Seiten stehen die Menschen, die nur auf den eigenen Profit schauen und nicht bereit sind, Verantwortung für Mutter Erde, die Gesellschaft und die nächsten Generationen zu übernehmen. Diese Einstellung ist schlicht und einfach unmoralisch (Achtung, subjektive Meinung!), doch leider gibt es immer noch zu viele von dieser Sorte, was die Arbeit für die Umweltschützer so schwierig macht.

Zwischen den zwei extremen Parteien befinden sich zwei größere Gruppen. Diese werden durch vielen Menschen vertreten, die im Parlament sitzen und sich den ganzen Tag anschreien. Zumindest kommt es uns Normalbürgern so vor. Diese zwei Gruppen haben deutlich realistischere Vorstellungen davon, wie auf dieser Welt der Umweltschutz geregelt werden soll, obwohl sie in entgegengesetzte Richtungen tendieren (deshalb das ganze Geschreie). Die einen setzen sich für maximalen Umweltschutz ein, wobei sie ebenfalls beachten, dass die Wirtschaft dadurch nicht zu Grunde gerichtet werden darf. Die anderen sehen zwar die Dringlichkeit des Umweltschutzes ein, sind jedoch skeptisch, was die Ökonomie angeht. Sie sind überzeugt, dass die Wirtschaft den Druck bei allzu umfassenden Umweltschutzregelungen nicht standhalten würde, und befürchten, dass die Auswirkungen einer darausfolgenden Wirtschaftskrise noch verheerender sein können als die Folgen „schleichender“ Umweltverschmutzung. Letztendlich brauchen wir also einen guten Kompromiss, wobei wir sowohl die Umwelt als auch die Wirtschaft unter einen Hut kriegen und beide dazu bringen müssen, sich nicht gegenseitig zu behindern, sondern eher noch zu unterstützen, ganz nach dem Motto des früheren Weltbank-Chefökonoms Nicholas Stern: „Wir können wachsen und grün sein“... So die Theorie, in der Praxis jedoch zerbrechen sich alle möglichen Leute darüber die Köpfe, aber viel mehr als eine Menge Kohlendioxid scheinen die bis jetzt auch nicht produziert zu haben.

Aktuell zum Thema findet gerade in diesen Tagen die Weltklimakonferenz in Nairobi statt. Tausende Politiker, Wissenschaftler und Umweltschützer aus rund 190 Staaten beraten über die Erderwärmung und ein Nachfolgeabkommen für das in sechs Jahren auslaufende Kyoto-Protokoll. Dabei ist natürlich nicht verborgen geblieben, dass China inzwischen der zweitgrößte Treibhausgasproduzent hinter den USA geworden ist. Doch genau wie die Vereinigten Staaten ist China dem Kyoto-Protokoll nicht beigetreten und man fragt sich zurecht, ob China nicht in der Verantwortung steht etwas gegen den Klimawandel zu tun. Was viele dabei jedoch außer Acht lassen ist, dass in China auch deutlich mehr Menschen leben als in allen anderen Ländern. Auf pro Kopf umgerechnet verbraucht der Deutsche sogar fünfmal so viel Energie wie der Chinese. Ja, ich weiß, ein erbärmlicher Versuch, die Sache herunterzuspielen, doch so etwas muss ja auch einmal gesagt werden. Selbst Umweltminister Gabriel meinte in einem Interview, dass es jetzt an den Industrienationen ist, das Energie sparen vorzumachen und beim Klimaschutz eine Vorbildrolle zu spielen. Zudem müssen Entwicklungs- und Schwellenländer unterstützt werden, erst dann werden sie nachziehen und ihren Teil beitragen. Und man sollte nicht vergessen, trotz seiner im Moment boomenden Wirtschaft ist China ein Schwellenland, in manchen Gebieten sogar Entwicklungsland.

Hier in Deutschland hört man ständig nur schlechte Nachrichten aus China, Giftmüll in chinesischen Flüssen, Stadt ohne Trinkwasser, Taifun, Überschwemmung usw.. Das ist nichts Ungewöhnliches, denn oft sind nur Katastrophen spektakulär genug für eine Berichterstattung im Ausland. Doch dadurch erscheint es den meisten so, als ob China sich überhaupt nicht bemühen würde etwas gegen die Umweltverschmutzung zu tun, als ob sich die Chinesen gar nicht darum scheren würden.

Das stimmt nicht! Die chinesische Regierung hat inzwischen sehr wohl erkannt, was für eine Riesengefahr die Umweltprobleme darstellen. Die politische Führung selbst gesteht ein, dass das Land vor einer ökologischen Katastrophe steht. Viele Maßnahmen wurden in den letzten Jahren eingeleitet, Gebiete wurden unter Naturschutz gestellt, Wälder wurden aufgeforstet, strengere Umweltauflagen wurden eingeführt. Die große Schwierigkeit besteht darin, dass viele die Gunst des Aufschwungs nutzen wollen um sich zu bereichern und viele Regionen und Unternehmen die Regelungen deshalb nicht beachten. Dem Land fehlt noch die nötige Stabilität einer Industrienation und den meisten Menschen fehlt die Überzeugung zum Naturschutz. Die Mentalität muss sich ändern, doch dies braucht seine Zeit.

Die Antwort auf die Titelfrage ist also eindeutig: Ja! China kann Umweltschutz und tut das auch schon. Doch tut er das auch beherzt genug?

 

Autor: PanDa

Webseite(Blog): Chinesisch-Deutsch

 

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