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"Igitt, Ihr esst Hunde!"

„Igitt, ihr esst Hunde!“ - oh, wie oft habe ich diesen schrillen Ausruf schon gehört?! Meist entspringt dieser Satz aus den Mündern leichtgläubiger pubertierender Teenager. Doch auch Erwachsene lassen sich die Chance nur selten entgehen ihre Neugier bezüglich dieser Angelegenheit zu stillen. In ihrem Ton schwingen dann allerdings viele böse Vorahnungen und sogar eine gewisse Ehrfurcht mit: „Sag mal, stimmt es wirklich, dass ihr Chinesen Hunde verspeist?“ Anfangs hat mich das Ganze sehr amüsiert und ich habe stets höflich geantwortet: „Ja, das ist korrekt, wir essen Hunde, und noch einiges mehr. Und ja, auch ich habe einmal Hundefleisch probiert, wenn auch vor geraumer Zeit.“ Doch später, als die Fragenflut kein Ende zu nehmen schien und viele Freundschaften an meiner ehrlichen Antwort zerbrochen sind, fing das Thema an mir gehörig auf die Nerven zu gehen.

Allseits bekannt ist der Spruch: „Chinesen essen alles auf dem Boden außer Panzer, alles aus der Luft außer Flugzeuge und alles aus dem Wasser außer U-Boote.“ Den Spruch gibt es in sämtlichen Variationen, doch das ist der mit den typisch chinesischen Vergleichen aus dem Militär. Doch egal wie das Sprichwort auch klingen mag, es stimmt. Im Groben und Ganzen sind die Chinesen eine Nation, die tatsächlich alles verzehrt, was sich von alleine bewegen kann. Von Heuschrecken über Schlangen bis zu Haifischen, einfach alles!

In China, insbesondere in den südlichen Regionen, findet man die eigenartigsten Speisen. Hierbei gilt grundsätzlich: Je exotischer das Fleisch, desto höher der Preis. Ob man auch alles probieren möchte, was man auf dem Markt bekommt, bleibt jedem selbst überlassen. Denn nicht mal der Chinese traut sich an alles heran, bei Rattenfleisch z.B. würde auch ich dankend „Nein“ sagen. Doch wer sich zum Probieren überwunden hat, wird oft merken, dass das unbekannte Etwas erstaunlich gut schmeckt. Ich könnte einem Deutschen ohne Probleme Hundefleisch als Schwein oder Rind andrehen und er würde erst fluchtartig zur Toilette rennen, nachdem er aufgegessen, sich für das ungewöhnlich leckere Fleisch bedankt und anschließend die Wahrheit erfahren hat.

So sind wir also wieder bei unserem Hundeproblem. Zuallererst möchte ich klarstellen, dass Chinesen nicht ihre Haustiere, sondern Hunde verspeisen, die speziell zum Essen gezüchtet werden. Darüber wird in den westlichen Ländern kaum nachgedacht. Hier haben viele die Vorstellung, dass es der Hund ist, den man mit sieben Jahren von Onkel Billy zum Geburtstag bekommen hat, der ohne Vorwarnung brutal geschlachtet wird und nun auf den Teller landet. Ja, diese Vorstellung ist wirklich abstoßend, doch sie ist auch schlichtweg falsch.

Manche werden das vehement abstreiten, doch nichtsdestotrotz ist es Fakt, dass so betrachtet der Hund nicht anders ist als alle anderen Zuchttiere wie Schweine, Rinder und Hühner, die auch Deutsche bedenkenlos essen. Würden wir statt Schweine Hunde zum Essen züchten und kleine Ferkel als Haustiere halten, würde sich wahrscheinlich keiner sich darüber beschweren, dass Hundefleisch gegessen wird.

Nun gut, man mag nun damit argumentieren, dass Hunde doch intelligenter und einfühlsamer sind als Schweine. Das sind schließlich auch die Qualitäten, die ihn zum beliebtesten Haustier des Menschen gemacht hat. In den Industrienationen wird der Hund seit vielen Jahrzehnten als Freund, Partner, ja sogar Familienmitglied des Menschen angesehen. Daher ist es sehr wohl verständlich, dass das Verzehr von Hundefleisch eine ungeheure Vorstellung für die Menschen hier sein muss. Doch, wie es so oft der Fall ist, verhält sich die Sache in China ein bisschen anders.

Bis vor etwa 20 Jahren existierten Haustiere in China kaum. Diese waren verpönt. In Zeiten der Kulturrevolution galt das Halten von Singvögeln, Hunden oder Katzen als Zeichen bourgeoiser Dekadenz und war deshalb verboten. Außerdem waren die Menschen mehr damit beschäftigt sich selbst halbwegs satt zu kriegen. Lange Zeit war China in tiefe Armut und Hungersnot versunken. Es wurde alles gegessen, was man in die Finger bekam. Mein eigener Opa aß unverdaubare Blätter, nur damit der Magen sich voller anfühlte. Millionen Chinesen verhungerten in der Zeit.

Heute boomt die chinesische Wirtschaft, der Wohlstand wächst und die Chinesen entdecken ihre Liebe zu den Tieren langsam wieder. Zwar ist das Halten von Haustieren immer noch nur etwas für Wohlhabende, da die Lizenzen und Gebühren viel Geld kosten, doch holen die Chinesen auch in dieser Hinsicht auf. Damit ändert sich auch die Einstellung der Chinesen zur Delikatesse Hund. Immer mehr Chinesen weigern sich Hundefleisch zu essen und viele Hundeliebhaber versuchen die armen Tiere vor dem Schlachter zu retten. Nicht zuletzt zeigte sich der positive Trend an dem lautstarken Protest gegen die neu eingeführte Ein-Hund-Politik Pekings, wonach jede Familie der Stadt nur noch einen Hund besitzen darf, in der Hoffnung somit die Tollwut einzudämmen.

Also falls Sie nochmal Hundefleisch kosten wollen, sollten Sie sich beeilen und schnell nach China fliegen. Denn bald könnte der Leckerbissen nur noch schwer zu kriegen sein.

Ja ja, sagen Sie nichts, ich kenne bereits Ihre nächste Frage: „So, das waren die Hunde, und was ist mit Katzen?“

 

Autor: PanDa

Webseite(Blog): Chinesisch-Deutsch

 

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